Oper "Falstaff" von Giuseppe Verdi auf der Bühne der Sofioter Philharmonie


Oper "Falstaff" von Giuseppe Verdi auf der Bühne der Sofioter Philharmonie

Am 21. März 2013 fand im hauptstädtischen Konzerthaus „Bulgarien" ein hervorragendes musikalisches Ereignis und zwar die Aufführung der komischen Oper "Falstaff von Guiseppe Verdi, gewidmet dem 200. Jahrestag seit der Geburt des großen italienischen Komponisten, statt. Das Nationale Philharmonische Orchester unter Regie von Ljubka Biagioni und mit Teilnahme des Nationalen Philharmonischen Chors "Sv. Obretenov" unter musikalischer Leitung von llija Mihalova präsentierte dem Sofioter Publikum eine beeindruckende musikalische Darbietung. Die ideenreiche Interpretation der Oper "Falstaff, die der Frau Biagioni zu verdanken ist - mit ihrer Hingabe zur Musik und mit Geisteinsatz und schöpferischer Phantasie, gestaltete sie ein Bühnenwerk neuen Typs, einfach realisierbar auf der Konzertbühne (mit viel geringerem Aufwand) und das wichtigste dabei ist, dass es in seiner Einwirkung auf die Operliebhaber nicht im geringsten nachsteht.

Ljubka Biagioni hat eine reiche schöpferische Laufbahn: Sie war Teilnehmerin an Meisterkursen bei weltbekannten Dirigenten wie Leonard Bernstein, Karl Österreicher, Ferdinand Leitner, Valery Gergiev, Gustav Kuhn m Ilya Musin. Trägerin der Ersten Preise im Dirigierwettbewerb des Wiener Kammerorchesters (1996) n "Franco Capuana " b Spoleto (2002).

Seit 20 Jahren konzertiert sie in ganz Europa. Seit Januar 2010 ist Ljubka Biagioni First Guest Conductor beim Sofia Philharmonie Orchestra. Im Jahre 2000 ist sie zusammen mit ihrem Ehegatten Begründerin der Internationalen „Herrenchiemsee Festspiele", in Deutschland, wo sie jedes Jahr konzertiert und Opern aufführt. In ihrer Regie hat die Sofioter Philharmonie, zusammengesetzt aus dem Nationalen Philharmonischen Orchester und dem Chor, zwei erfolgreiche Teilnahmen an diesen Festspielen mit der Aufführung von G. Verdis Opern „Nabucco" (2008) und "Falstaff (2011) bestritten.

Das Interesse von Verdi für die Komödie von William Shakespeares Die lustigen Weiber von Windsor stammt aus seinen Jugendjahren her. Der Komponist verehrte den großen Dramendichter und nur 10 Jahre nach der Schöpfung von „Othello", beschließt er, fasziniert von der Persönlichkeit des „extravaganten Romantikers" Amgo Boito, den großen Kenner von Shakespeares und in erster Linie von seinem Libretto der lyrischen Komödie, welche nach Verdi ohnegleichen ist, die Oper „Falstaff" zu komponieren. "Ich schreibe die Musik mit großem Vergnügen!" erklärte der Maestro begeistert. Er arbeitete daran 2 Jahre lang und nach der Uraufführung am 9. Februar 1893 im Teatro alla Scala in Mailand war das Musikpublikum von der „vollkommensten musikalischen Komödie" genannt noch als "erstaunliches Phänomen von Verdi" gebannt. "Denkwürdig ist der Spruch "Nach der Tragödie der Eifersucht in „Othello" schafft Verdi eine Komödie der Eifersucht!'".

Bevor wir uns in die Magie des Musikschauspiels versetzen, möchte ich ihnen die gekonnt ausgewählte Sangbesetzung vorstellen, bestehend aus jungen, begabten Sängern, die sich in der „Singewelt" hier daheim und auf der europäischen Bühne einen Ruf gewonnen haben:

Sir John Falstaff (Bariton) - Dragomir Momekov,
Ford (Bariton) - Enrico Marabelli (Italien),
Alice, seine Gattin (Sopran) - Eva Perchemlieva,
Nannette, ihre Tochter (Sopran) - Emilia Kircheva,
Fenton (Tenor) - Mihail Mihailov,
Dr. Cajus (Tenor) - Alexander Baranov, 
Bardolfo, Diener (Tenor) - Momchil Karaivanov 
Pistola (Bass), Diener - Alexander Nossikov, 
Mrs. Meg Page (Mezzosopran) - Elisaveta Lombardi,
Mrs. Quickly (Mezzosopran) - Iskra Staneva.

Die ungeduldigen, den Saal ausfüllenden und mit dem Sujet vertrauten Zuschauer, führten Vorfreude auf das bevorstehende Erlebnis.

Das Verdienst der Musikleiterin Frau Biagioni besteht darin, dass sie es ohne Hilfe der Theateratmosphäre von Dekorationen geschafft hat, die Phantasie des Publikums zu erwecken und es in den Bann der dynamischen Sujetentwicklung mit zu reißen. Die lyrischen Duos, welche die Gefühlsaufwallung von Verliebten bekunden, gefolgt von den temperamentvollen Gesangduellen, welche die Intrige, erfinderische Hinterhältigkeit und die Verspottung des skrupellosen, leichtsinnigen Haupthelden zum Ausdruck bringen, ließen uns an dieser Komödie mit beteiligen...Originelle Gestaltung der Figuren, plötzliches Auftauchen der Helden in jeder Ecke des Zuschauerraumes, damnter auch auf Balkons und Lauben, die Überraschungen, hielten die Zuschauer in Atem und fesselten ihre Aufmerksamkeit. Jeden Augenblick spielte sich auf der Bühne etwas Spannendes ab!

Gewandter Umgang mit der Beleuchtung trägt zur psychologischen Einwirkung aufs Publikum bei. Ist es nicht wahr, dass die nächtliche Szene im Walde, mit matter Beleuchtung, gefärbt in Blau, unsere Kindererinnerungen ins Gedächtnis zurückrufen lässt, mit Gesichten der Hexen und Geister!? Ich habe in meiner Erinnerung, dass ich vor mehreren Jahren „Hamlet" mit Wladimir Wyssozki als Hamlet im Satirischen Theater gesehen habe, wo es auf der Bühne einen spärlichen, eher symbolischen Dekor gab, aber ich werde nie die vom großen Schauspieler dargestellte Gestalt vergessen!... Ich glaube, dass das der Weg zur Bildung eines intelligenten, elitären Publikums in der Zukunft ist!

Es wird gemeint, dass "Falstaff" der Höhepunkt der Kompositionsmeisterschaft von Verdi ist und ein besonderer Wert davon die Verwendung des Orchesters vorstellt, das nie zu reiner Begleitung eingeschränkt wird, sondern aktiv in der Darstellung der Handlung und der Charakterisierung der Hauptfiguren teilnimmt.
Und genau hier ist L Biagioni in ihrem „Element' - der Umgang mit dem Orchester. Selbstverständlich hat sie die Ehre und das vergnügen, mit einem perfekten Instrumenten zu arbeiten, welch das Symphonie orchester der Philharmonie ist, und für das die Kompliziertheit der Partitur und die kurze Frist für deren erfolgreiche Verwirklichung kein Problem darstellen.

Hier kann ich sagen, dass L Biagioni sehr gewandt das Orchester zur Realisierung ihrer musikalischen Ideen verwendete. Das ganze Spektrum von Musikinstrumenten und 10 Solosängem zu vereinigen, das verlangte ausdrückliche Dirigierfähigkeiten, die sie offenbar besaß. Am Ende der Vorstellung war die aufrichtige Verbundenheit und Einigkeit zwischen Orchester, Sängern und Dirigent deutlich erkennbar.

Zum Schluss noch bin ich überzeugt, dass der Erfolg und die Verwirklichung des Spektakels ohne die herzliche, aktive Mitarbeit, Unterstützung und Mitbeteiligung der Leitung der Sofioter Philharmonie undenkbar wären.

Svetosfov Dermendzhiev