Eine Baronesse dirigiert “La Traviata”

Ist Ljubka Biagioni zu Guttenberg eine Märchenheldin oder eine elegante Dame des XXІI Jahrhunderts? Welche ist die Frau mit einem so seltsamen Namen? Die Antworten sind einfach genug, nur wenn man in die Augen dieser so strahlenden Frau blickt, die nie aufhört zu lächeln, auch wenn sie von einer lästigen Grippe gequält wird.

Sie ist „Ljubka“, weil sie die bulgarischen Gene ihrer Mutter trägt, und der Nachname kommt von ihrem italienischen Vater. Was betrifft die aristokratische Ergänzung zu ihrem Namen, diese begleitet sie seit 14 Jahren. Oder seitdem sie eine Frau von Baron Enoch zu Guttenberg, einem prominenten Aristokrat und renommierten Dirigenten in Deutschland, geworden ist.

Neben der Tatsache, dass sie eine Familie sind und zwei Kinder (jeweils mit 8 und 6 Jahren) haben, organisieren beide ein jährliches Musikfestival im Schloss Herrenchiemsee. Daraus ergab sich die Idee über die unkonventionelle Vorstellung von "La Traviata", welche die Musikfans am 8. März im Hauptstadt "Bulgarien" sehen werden können.

Der Mensch-Orchester

Drei Tage vor der Show öffne ich die Tür und setzte mich in der ersten Reihe, um die Probe zuzuhören. Im Zentrum der Bühne steht Ljubka, zierlich, mit dunkler Keilhose, Hemd und Stiefel bis zu den Knien – man würde nie sagen, dass die Frau mit dem Schlagstock eine Baronesse. Um sie herum sind die Musiker des Sofia Philharmonic Orchesters, die Solisten und die Chorsänger der Kapelle "Svetoslav Obretenov"

Einige Zehnten von Augenpaaren warten auf ihre Hinweise. Sie spricht leise, manchmal verlangt sie die Wiederholung einer musikalischen Phrase. Und wenn Sie eine der wichtigsten Parteien in "La Traviata" spielen, fühle ich meine Tränen fließen. Es passiert nur, wenn auf der Bühne etwas Gutes geboren wird. Also am 8. März können wir mit guten Erwartungen in den Saal eintreten.

Ljubka Biagioni ist eine Dirigentin, Regisseurin und wählt die Kostüme für das Spektakel selbst aus. „Sind Sie so was wie ein „Mensch-Orchester“ in diesem Spektakel“, frage ich die emotionale Bulgarin in einer der Pausen. "Eher nicht“ lächelt sie. „Es ist wichtig, dass ich eine Show mache, in welcher nicht die Regisseure, sondern die Musik im Vordergrund steht. Deshalb habe ich es mich entschieden, "La Traviata" im Konzertsaal und nicht im Opernhaus vorzustellen. Die Künstler haben ihre eigene Kleidung, aber ich wähle die für die Show am besten geeigneten Kleider. Ich möchte ein Spektakel mit einem Geist vorstellen. Aber das ist nicht mein Geist, sondern der Geist von Verdi.”

Baronesse zu Guttenberg arbeitet nicht zum ersten Mal mit der Sofia Filharmonic Orchestra zusammen. Die Bulgarischen Musiker sind zweimal das Herrenchiemsee-Festival besichtigt, wo sie mit Ihnen "Nabucco" und "Falstaff" vorgestellt hat.

Ein Traum von der Studentenzeit

Vor 20 Jahren studiert Ljubka hier an der Musikakademie und besucht oft die Konzerte der Philharmonie im Saal "Bulgarien". "Ich bewunderte diese hervorragenden Musiker und träumte davon, eines Tages mit ihnen zu arbeiten. Und jetzt habe ich diese Chance. Ich bin froh, dass trotz der Veränderungen, viele von ihnen hier geblieben sind und weiterhin Musik in Bulgarien machen. Und ihre Lust ist offensichtlich."

Eine Dirigentin ist nicht oft zu treffen. Wie wird sie von den Musikern akzeptiert, betrachten sie sie nicht mit Vernachlässigung? "Manche sagen, ich sei zu weich“, überlegt sich Ljubka. „Aber ich denke, ich habe einen guten Dialog mit ihnen, weil wir, die Dirigenten nichts ohne sie, die Musiker, sind. Ja, man braucht etwas Distanz, aber nicht zu viel, sonst kann die Musik gestört werden. Ich bin für andere Meinungen offen, immer zuhörend. Ich denke, dass ein Dirigent-Diktator keinen Platz in der Musik hat. "

Die Baronesse teilt mit, dass sie eher Neugier als Vernachlässigung und Unfreundlichkeit von männlichen Musikern fühlt. Etwas wie "Lassen Sie uns nun sehen, was passiert." Und sie sagt weiter: "Jeder muss auf der Bühne die Anderen in seinen Eigenschaften als Musiker und Person überzeugen. Denn wenn man über sie verfügt, ist es egal, ob man ein Mann oder eine Frau ist. Auch wenn ein bisschen schwierig am Anfang, klappt die Dinge immer gut.“

Ich gucke auf Ljubka Biagioni und versuche es zu erraten, woher ihre Sicherheit, Selbstgefühl und positive Energie kommen. Es ist sehr einfach - Gene und das Leben in einem Umfeld, für welche jeder träumen hätte.

Urgroßvater - Landwehrsoldat, Vater - Politiker

Es gibt viele starke Männer in ihrer Biographie. Ihr Urgroßvater nach mütterlicher Linie war ein Freiwilliger bei der Bulgarischen Landeswehr am Russisch-türkischen Befreiungskrieg und Bürgermeister von Sofia für einige Zeit, ihr Vater war einst ein berühmter Politiker und der Bürgermeister von Florenz. Ljubka wurde in Rom geboren und ihr Vater erzog sie als ein Junge. Er erzählte ihr über den Krieg, schon seit ihrer Kinderzeit ließ sie, sich an der Idee gewöhnen, dass sie arbeiten werden muss, um in der Lage zu sein, für sich selbst zu sorgen.

Ljubka studierte Philosophie in Rom und nachdem sie Dirigieren in Sofia, absolvierte, spezialisierte sie bei renommierten Musikern wie Karl Österreicher, Norbert Balach, Leonard Bernstein, ein riesiger Beitrag zur ihrer Karriere haben Valeri Gergiev und Ilya Musin geleistet. Sie war Assistent- Dirigentin in Suntary Hall in Tokio, der Arena di Verona, Salzburg, Genua ... Bis sie eines Tages Enoch zu Guttenberg bemerkte.

Der Baron lud sie zur Zusammenarbeit, nach sechs Monaten waren sie schon eine Familie, ihre beiden Kinder wurden geboren. Nein, keine Kinderfrau, sie kommt alleine mit ihren mütterlichen Verpflichtungen zurecht.

Und wie ist es im Schloss? "Na ja, das ist nur ein größeres Haus, in dem Kinder laufen und sogar Tennis spielen", sagt Ljubka und steht wieder vor dem Orchester. Bis zum 8. März haben sie Zeit nur für "La Traviata".

VIOLETA TSVETKOVA